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Vierte Dimension
Vierte Dimension von Irene Gunnesch 21.10.2008 OÖNachrichten Virtuos gemalte, expressive Landschaften im Stil der Klassischen Moderne: Die hat der Kronstorfer Harald Birklhuber im kleinen Finger. Dass er sich auf den daraus resultierenden Lorbeeren nicht ausruht, beweist seine großartige Ausstellung in der BVOÖ-Galerie im Ursulinenhof: Birklhuber hat seine Technik weitergetrieben und vermittelt damit seine Inhalte – hier Kinder aus aller Welt – noch zwingender. Bewegung und Energie pur, eine malerische Bewältigung des Faktors Zeit und somit einer vierten Dimension.
Dr. Karin Zangerl Kunsthistorikerin
“Die wahre Lebenskunst besteht darin, im alltäglichen das Wunderbare zu sehen”. Pearl S. Buck Dr. Karin Zangerl über den Maler Harald Birklhuber Das gesellschaftliche Umfeld und besonders die neuen Medien eröffnen der Kunst in den letzten Jahren ungeahnte neue Tore. Die nahezu pathologische Suche nach Innovation und Originellem führt zu einer unüberschaubaren Fülle von Kunstgattungen und Künstlern, die den “Kunstmarkt” überschwemmten. Durch diese stete Entwicklung verlor so manch Schaffender die eigene künstlerische Identität. Die enorme Vielzahl von Kunstgattungen führte zu Begriffsverwirrung und Verwechslung. Seit einiger Zeit ist nun für jeden, der das aktuelle Kuntgeschehen aufmerksam verfolgt, eine neue, zukunftsweisende Entwickliung in der bildenden Kunst zu bemerken. Im aktuellen Kunstgeschehen nimmt die wiedergefundene Gegenständlichkeit in der Malerei einen zunehmend bedeutenden Stellenwert ein Mit dem oberösterreichischen Maler Harald Birklhuber präsentiert die Altstadt Galerie Hall einen Künstler, der sich der richtungsweisenden Kunst der Neuen Gegenständlichkeit verschrieben hat. Geboren 1961 in Steyr, offenbart sich in ihm die Meisterschaft eines Spätberufenen. Nach 16-jähriger Tätigkeit als Schlosser trat Harald Birklhuber 1992 in die renommierte Hochschule für künstlerisches und industrielles Gestalten in Linz ein; 1997 schloß er sein Studium mit dem Diplom der Meisterklasse für Malerei und Grafik. Zahlreiche Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, Preise und Auszeichnungen, diverse Studienreisen im In- und Ausland so wie die Präsenz seiner Gemälde in öffentlichen und privaten Sammlungen sprechen für seine gefestigte Position am Kunstmarkt und für die Qualität seiner Werke. In unverwechselbarer Handschrift schafft Birklhuber wie ein Besessener seine am Gegenstand orientierten Ölgemälde. “Es geht mir nicht um die Illusion – ich möchte sichtbar machen, Gefühle, Eindrücke, Stimmungen… einfach das, was nur im Bild erreichbar ist”, so der Künstler. Geäst im Unterholz, das weite Hügelland seiner Heimat, Impressionen aus dem Süden, alte Tontöpfe – lose in eine Ecke gestellt -, eine idyllische Brücke eingebettet in satten Grün der Natur, erblühende Blumen, eine Häuserfront im Gegenllicht, schaukelnde Boote in der einmaligen Atmosphäre Venedigs, der Besuch beim Barbier; das sind nur einige der Motive, die der Oberösterreicher in wahrer Meisterschaft zu Leinen bringt. Im Bild “Akt” unterstreicht der gekonnte Einsatz der perspektivischen Verkürzung des Körpers, gepaart mit der Farbwahl, die laszive und erotische Ausstrahlung der sinnlichen Frau. Die ansprehenden Blumenstilleben und Blumenwiesen sind ein Fest der Farben und überzeugen in der Harmonie der einfühlsam abgestimmten Farbpalette. eine pastose Malweise und ein kraftvoller, breiter Pinsel zeichnen seine Ölgemälde aus. Die Natur ist ihm Anregung und Medium zugleich. Er arbeitet als Maler nicht nach, sondern, wie Cezanne forderte, parallel zur Natur. “Das Alltägliche ist es, das mich fasziniert. Es soll beachtet und hervorgehoben werden. Das ist der Anlaß für ein Bild, oder doch nur Vorwand, in jener Treue zur sichtbaren Welt, wo die Erscheinung ihr Recht hat, aber es sogleich abgibt an den Anspruch der Komposition. Dennoch bleibt das Bild mit dem Vorbild wie mit einer Nabelschnur verbunden, obwohl es längst eigenes Leben gewonnen hat”, so Harald Birklhuber über seine Malerei. Das Unscheinbare, das Alltägliche, an dem wir vorübergehen, wird durch die Ölgemälde Birklhubers für uns sichtbar und einmalig. Eine Gabe, die nicht jedem Künstler gegeben ist, eine Gabe, die viel Fleiß, Disziplin und ernsthafte Auseinandersetzung mit der künstlerischen Arbeit erfordert. Wo nun soll man Harald Birklhuber kunsthistorisch positionieren? Welcher der zahllosen Kunstgattungen kann man ihn zuordnen? Seine formalen und stilistischen Ansatzpunkte liegen in der klassischen Moderne. Die Spontanität seiner Malweise zeugt von der expressiven Prägung seiner Bilder. Der virtuose Umgang mit dem Licht hingegen erinnert zweifelsohne an den österreichischen Stimmungsimpressionismus. Wie die internationalen Impressionisten geht auch Birklhuber direkt von den Natureindrücken und der Momenthaftigkeit der Figuren und Gegenstände aus. Stets bleibt er der Gegenständlichkeit verpflichtet, ohne im eigentlichen Sinne abzubilden. Der Gegenstand wird zur Metapher, wird Vorwand, um Gefühle, Eindrücke und Stimmungen für den Betrachter sichtbar zu machen. Ein “Birklhuber” läßt sich nicht kategorisch in eine Kunstrichtung eingliedern; er ist nicht angepaßt an eine der unzähligen avatgardistischen Strömungen. Auch die tagesaktuellen Trends und vorgaben, die das wechselhafte Geschehen am Kunstmakt bestimmen, sind nicht Parameter seiner Malerei. Harald Birklhuber ist vielmehr einer jener begnadeten Maler, der eine eigene, unverwechselbare künstlerische Identität entwickelt hat. Eine Künstlerpersönlichkeit eben.
HARALD BIRKLHUBER – Kunst aus der Natur von Mag. Hermann Lehner
Ein Wiesenstück, ein Hinterhof, ein Bauerngarten, Gemüsesteigen auf dem Markt, leere Gasse einer Stadt im Süden, Häuserwände, deren fahles Ocker als indirektes Licht vibriert am Nachmittag – ein Bildpanoptikum an Malerei, ist zwar vertraut und denoch nicht, was unser Auge sonst im Alltag sieht. Was Harald Birklhuber hier zu seiner Bildwelt formt in krätigem Impasto ist also mehr, ist anders als ein bloßes Abbild der Natur. Man sucht vergleichend Ähnliches zu orten, Beziehungen und Ausgangspunkte festzumachen, Gemeinsamkeiten aufzuzeigen, an eine Ahnenreihe anzuknüpfen in der Malerei, die vorbildhaft und richtunggebend war für diese Sicht, für diesen Ansatz gegenständlichen Gestaltens, der sich Natur zum Vorbild oder Vorwand nimmt und bildhaft werden läßt, was aus Natur und innerer Erfahrung neu entsteht. … Harald Birklhuber ist in diesem Sinne nicht modern, ist auch nicht angepaßt an die tagesaktuellen Vorgaben und Trends, die das wechselvolle Geschehen auf dem Kunstmarkt unserer Tage bestimmen. Der formale und stilistische Ansatzpunkt seines Gestaltens liegt in der klassischen Moderne und läßt sich, insbesondere hinsichtlich der Spontanität seines malerischen Vortrages, an den spezifischen Ausprägungen eines Spätexpressionismus österreichischer Prägung ableiten, während man in manchen Arbeiten durch die luzide Malweise und die Behandlung des Lichtes an Arbeiten des so genannten österrichischen Stimmungsimpressionismus etwa eines E.J. Schindler oder auch an frühe Arbeiten Carl Molls erinnert wird. Birklhuber bleibt einer Gegenständlichkeit verpflichtet, ohne im eigentlichen Sinne abzubilden. Der Gegenstand wird zur Metapher, wird Vorwand, Gefühle und Stimmungen sichtbar werden zu lassen. In der zum Bild gewordenen Vision vereinigen sich die sichtbaren Elemente der Außenwelt – Licht, Farbe, Form – mit der eruptiven Innenwelt eines emotionalen Ausdrucks zu einer neuen geistigen Ordnung, die es ihm ermöglicht, das auszudrücken, was die Natur nicht unter einer absoluten Gestalt darstellt. Auf diese Weise wird das Bildsujet zum topographischen Anknüpfungspunkt, gleichsam als Einladung und Aufforderung an das Auge des Betrachters, in die dahinterliegende geistige Ordnung einzudringen, in welcher der Künstler die individuelle Emotion mit dem Natureindruck zu einem neuen Ganzen verbindet und solcherart auch Unsichtbares sichtbar macht. Harald Bilklhuber bleibt nicht zufällig der Natur verpflichtet, die ist ihm Anreger und Medium zugleich. in jenem Sinne auch vielleicht, in dem sich ihr Van Gogh verpflichtet fühlte: “Das Gefühl und die Liebe zur Natur finden früher oder später bei Menschen, die sich für Kunst interessieren, immer Anklang. Es ist die Pflicht des Malers, sich ganz in die Natur zu vertiefen und seine ganze Intelligenz zu gebrauchen, um sein Gefühl in seine Arbeit hineinzulegen, so dass sie für andere verständlich wird.” (Vincent van Gogh in einem Brief an seinen Bruder vom 31.Juli 1882) Mag. Hermann Lehner
Hannes Niederlechner, Altstadt Galerie Hall
Die wenigen Sekunden sind es, in denen man das Gefühl hat, der Wahrheit und dem Sinn der Existenz näher gekommen zu sein, sagt Harald Birklhuber. Und er spricht mir damit aus der Seele. Sind es nicht wenige Minuten und Augenblicke, an denen feinfühlige Menschen, im besonderen Künstler ob nun Maler, Musiker oder Dichter, mit sich und der Welt im reinen sind? Künstler sind Wandernde und Suchende, Zweifelnde und Hoffende. “Die Arbeit ist es”, führt er aus, “die mich weitertreibt. Sie bedeutet für mich Konzentration und Meditation. Ich lasse mich in ihr fallen, bin mit mir und dem Motiv alleine, auf den guten Geist hoffend, dass das Ergebnis mich befriedigt; wenn auch meist nur für kurze Zeit”. Und das Ergebnis war für mich mehr als nur befriedigend. Der Besuch im Atelier des Künstlers in einer kleinen oberösterreichischen Gemeinde in der Nähe von Enns hatte sich gelohnt. Dicht nebeneinander an die Wand gelehnt, auf der Staffelei und soweit möglich – geordnet in Regalen, überraschte mich im ersten Augenblick die Vielzahl der Bilder. Sie zeigen vom ungeheuren Fleiß und der Ernsthaftigkeit, ja Bessessenheit einer Künstlerpersönlichkeit, der das Talent sichtbar in die Wiege gelegt worden war – vorerst aber nicht die Möglichkeit, es zu nützen. Geboren 1961 in Steyr, Oberösterreich, erlernte Harald Birklhuber in der VOEST das Handwerk eines Betriebsschlossers. Mehr als sechzehn Jahre ist er dort tätig. Durch intesives Zeichnen und den Besuch der Abendschule “eskaliert” 1992 seine eigentliche Liebe, die Malerei. Als Spätberufener wechselt er an die Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung in Linz, die er 1997 mit dem Diplom der Meisterklasse für Malerei und Grafik abschließt. In seiner Diplomarbeit Pipelines, Kränen, fremdartigen Maschinen und Schotterhalden ein einfühlsames Denkmal von hohem künstlerischen und mitunter historischen Wert. Im Regal abgesondert, geben einige wenige Bilder noch Zeugnis dieser seiner Vergangenheit. Ihnen stand ein Heute gegenüber, das mich noch mehr erstaunte … Seine Bilder eröffnen eine Tiefe und Klarheit, eine geistige Reife, die meist nur im Spätwerk von Künstlern zu Tage tritt. Es sind exzellente Landschaften und Stilleben. Es ist das Hügelland seiner Heimat, geprägt von Feldern und Wiesen. Umsäumt werden sie von Grünstreifen mit dichtem Unterholz – den Windgürteln. Sie gewähren reizvolle Aus- und Einblicke. Wogende Sonnenblumen – hier noch in voller Blüte – dann kurz vor der Ernte, sind mit großzügigen und dynamischen Strichen festgehalten. Ein breiter und kraftvoller Pinsel zeichnet seine Bilder aus. Selbstbewußtsein und der Mut, nicht unbedingt “der Kunst wegen etwas neu erfinden zu müssen”, haben ihn zu einer eigenständigen Handschrift geführt. Im gekonnten Miteinbeziehen des Untergrundes, der zum Teil durchscheint, und der Ausnützung der Komplementäreffekte gelingt es ihm meisterhaft seine Farbpalette zu einem harmonischen Ganzen mit großer Ausdruckskraft zu steigern. Mohnblumen leuchten auf. Edelsteinen gleich im Bett der Wiesenhänge ziehen sie am Auge vorbei. Ich spüre leichten Wind im Herbstbild durch Geäst streichen und nahen Winter kunden. Einen Winter, den der Künstler in einem weitren Bild in feinsten Farben festhält. Der Mensch, der sich im verschneiten Haus zurückgezogen hat, ist, obwohl nicht sichtbar, gegenwärtig. Aber ich entdecke auch südliche Impressionen. Eine schmale Gasse. Blaue Schatten an Hauswänden. Wäsche hängt träge an Leinensträngen. Da und dort ein Leuchten, ein wärmendes Aufblitzen der Sonne. Erinnerungen. Birklhuber liebt das Alltägliche, das zumeist Unscheinbare, an dem man oft achtlos vorübergeht. Mit seiner Malerei verleiht er ihm Bedeutung, hebt es über das Alltägliche hinaus. “Für mich ist es nicht wichtig, was ich male”, holte mich der Künstler aus meinen Gedanken zurück, “sondern wie ich es male. Selbst banale Themen kann man so umsetzen, dass ein Kunstwerk daraus wird. Ich möchte sichtbar machen – Gefühle, Eindrücke, Stimmungen …einfach das, was nur im Bild erreichbar ist.”
NEUE ARBEITEN / Harald Birklhuber von Mag. Wolfgang Modera
Text zur Ausstellung in der Berufsvereinigung Bildender Künstler Oberösterreich, Landeskulturzentrum Ursulinenhof, 4020 Linz Landstraße von Mag. WOLFGANG MODERA Die Bilder von Harald Birklhuber veranlassen BetrachterInnen, die Frage zu reflektieren, was denn nun ein Bild sei. Die visuelle Potenz seiner Werke legt diese Frage nahe. Denn eines scheint sicher: es geht ihm nicht um die vordergründige, möglichst wirklichkeitsgetreue Abbildung von Realität, sondern um die Darstellung des Ergebnis eines inneren Fermentations- und Gestaltungsprozesses, der seinen Ausgangspunkt in der uns umgebenden Wirklichkeit findet. Was also ist für Harald Birklhuber ein Bild, sein Bild? Sarah Kofmann verweist darauf, dass sämtliche Funktionen, die ein Bild ausüben kann, entweder in der Darstellung von Wirklichkeit, also Gegenständen, Körpern aus unserer Welt sein können, oder innerbildliche Darstellung, die nach eigenen Gesetzen funktionieren. Dieses Spannungsfeld wird auch in den Arbeiten Harald Bilrklhubers deutlich. Die der Welt des Gegenständlichen verpflichteten Werke zeigen uns einen Handwerker im besten Sinn. Harald Birklhuber versteht sich auf das Malen (Umgang mit Farben und der Wiedergabe von Wirklichkeit). Birklhuber fühlt sich der großen Tadition des expressiven Gestus verpflichtet. Nicht ohne Grund sind für ihn die “klassischen” Expressiven der österreichischen Kunst der Vorkriegszeit bedeutsame Anreger und Gefährten über die Zeiten hinweg. Hier gilt es den verehrten Herbert Böckl als einen von vielen zu nennen. Im besten Sinne ist Harald Birklhuber mit diesem Referezpunkt in der Lage, diese Tradition in einem zeitgemäßen Sinn weiterzuführen. Und das ist nicht selbstverständlich: war doch die gegenständliche Darstellung durch die Nazis diskreditiert und daher in der österreichischen Malerei der Nachkriegszeit nicht vorrangig und eher verpönt. Es ist daher nicht verwunderlich, dass über lange Zeiten der ungegenständlichen Malerei der Vorzug an Österreichs Ausbildungsstätten gegeben wurde. Birklhubers Anknüpfen an diese Tradition ist allein schon eine eigenständige, bedeutsame Leistung. Birklhuber stellt sich nicht in diese Tradition, sondern führt über sie hinaus. Denn, ist es nicht so, dass seine Augen, die des 21. Jahrhunderts sind. Er ist ganz Auge, das sich den visuellen Reizen der Umwelt völlig hingibt. Es gibt nichts, was nicht Bild werden kann, nichts ist verpönt oder ausgeschlossen. Alles hat das Potential Anregung und Anstiftung für eine expressive Gestaltung zu werden. Was Wunder, dass der pastose Farbauftrag auf das “retinale Sehen” abzielt und eigene Wirklichkeiten zu schaffen vermag. Dieser Farbauftrag, der meist die Farben in ihrer Reinheit gegeneinander stellt, schafft Raum, indem der Sehraum kraft der Farbe hin zum Betrachter erweitert und gestaltet wird. Es wird immer wieder darauf verwiesen, dass nicht nur der Betrachter des Bildes, sondern dass auch das Bild den Betrachter ansieht. Hier sind wir Zeugen dieser kraftvollen Wechselwirkung. Diese Art die Welt zu sehen und ihr ein Bild zu geben, kennen wir von Harald Birklhuber. Ganz anders verhält es sich nun mit den “neuen” Werken des aktuellen Schaffens. Nicht mehr die Natur ist es, die das Thema und den Gegenstand der Darstellung vorrangig bildet. Der Maler Birklhuber findet einen neuen Topos: die menschliche Figur. Auch der Farbauftrag ändert sich; die Farbe wird nun auch lasierend, transparent eingesetzt. Wesentlich scheint mir auch, dass die Farbe zwar zur Kennzeichnung und Gestaltung von Körperformen verwendet wird, aber eben nicht nur. Allzu oft werden die Grenzen der Fläche von der Farbe überwunden. Die Farbe zeigt sich in ihrem Eigenleben und korrespondiert in einem eigenen Bild-und Zeichenraum. Während in den expressiven Bildern die Farbe ident mit dem Körper eingesetzt wird und damit selbst zum Körper wird, erhält sie nun – in Bezug auf die Körperformen – Verweischarakter. Nicht mehr ausschließlich die Gegenstände und Formen werden bezeichnet, sondern eine eigene Wirklichkeit wird gestaltet. Damit gelingt es Birklhuber einen Tiefenraum zu schaffen, der sogleich die Blicke des Betrachters in die Bild-Innen-Welt führt. Dieses Hinführen in eigenständige, von der Welt des Gegenständlichen abgeschälte Wirklichkeit spiegelt sich auch in der veränderten Motivwahl. Die Welt des Menschen mit seiner Materialität UND seiner Intellektualität/Geistigkeit ist nun das Ziel der Gestaltung. Dies zeigt sich auch in der Hinwendung zu sprachlichen Zeichen: Wörter, die eben nicht nur das mit dem Wort gemeinte ausdrücken, sondern erst recht auf die Welt des Geistes verweisen. Die bei einem ersten Blick zu vermutende soziale Kritik, die sich in den Bildern ausdrückt, mag zwar gesehen und so vom Betrachter als Anregung begriffen werden. Letztlich ist es nicht das entscheidende Movens für die Arbeiten Harald Birklhubers. Auch in dieser Hinsicht ist er ganz dem retinalen Sehen und den Gesetzen der Komposition, der Farbakkorde und Farbkontraste verpflichtet. Birklhuber ist bei allen Arbeiten als Maler tätig und weiß sich den Gestaltingsprinzipien des “klassischen” Tafelbildes verpflichtet. Nichtsdestotrotz ist er ein Gegenwärtiger, der sich den Fragen der Zeit stellt und sie in seine Bilder integrativ bearbeitet. Das sozialkritische Element wird nicht durch das Thema, sondern durch die Gesetze von Farbe und Raumaufteilung, der Spannung von Flächen und Linien behandelt und für den Betrachter erlebbar. Gerade dieser doppelte Verweis ist es, der die Kontinuität der Arbeiten von Harald Birklhuber belegt. Immer geht es Birklhuber um das gelungene Bild. Und das findet er nicht im Thema, sondern in den jeweiligen Gestaltungs-überlegungen und Prinzipien. Und diese beherrscht Harald Birklhuber meisterlich. Diese Bilder dokumentieren einen spannenden Prozess: wird getreu eben der von Birklhuber verehrten klassischen Moderne als Entwickliungsrichtung vom Gegenstand zur Abstraktion gedacht, so ist er nun offensichtlich im Begriff, die gegenständliche Darstellung zwar nicht aufzugeben, aber doch in Richtung Abstraktion zu erweitern. Egal, wie sich Harald Birklhuber weiterentwickelt, er wird ein meisterlicher Maler bleiben, der aus dem Vollen des wohl erworbenen handwerklichen Fundus schöpfen kann. Spannend wird es allemal. Doch bis dahin beschenkt er uns mit wahrlich meisterlichen Bildern, die das von Kofmann aufgezeichnete Spannungsfeld auflösen und in sich integrieren. Seine neuen Bilder sind Darstellung und Abbildung des Gegenständlichen UND Spiel nach den eigenen Gesetzen zugleich. Mag. Wolfgang Modera
OÖ Nachrichten – 17. Jänner 1998
BILDENDE KUNST: Harald Birklhuber in der Linzer Galerie Lehner Meisterschaft eines Spätberufenen von Irene Judmayer Eine Gasse in Nikosia. Blaue Schatten an Häuserwänden, Wäsche an durchhängenden Leinensträngen. Da und dort ein Leuchten, das direkt auf der Haut zu spüren ist. „Gasse“ – ein Ölgemälde des 37jährigen Kronstorfer Künstlers Harald Birklhuber – ist unbestritten der Höhepunkt seiner Ausstellung in der Linzer Galerie Lehner. Hier offenbart sich die Meisterschaft eines Spätberufenen, der erst nach seiner Tätigkeit als Schlosser in die Kunst wechselte. Schon im Vorjahr, bie der Präsentation der Malerei-Diplomanden der Kunsthochschule, stach seine Arbeit wohltuend aus dem Gezeigten hervor. Birklhubers Abeit ist eine gelungene Mischung aus Neo- Expressionistischem und dem atmosphärischem Charme des Impressionismus. Sein Spargel – Stillleben vermittelt beispielsweise sowohl saftiges Kulinarium als auch kompositorisch zwingenden Aufbau. Sein kraftvoller, am Gegenständlichen orientierter Duktus weist ihn – im besten Sinn – als Vertreter der Linzer „Kubovsky – Schule“ aus, die auch aus der Tradition etwa eines Boeckl schöpft. Birklhuber ist ein Meister des Lichts. Läßt es tanzen auf gelben, roten, blauen Gartenblumen, über Häuser, Gärten, Städten („Enns“), Innenhöfe, Landschaften. Ein inneres Glühen, das allerdings weniger von Lebensfreude als vielmehr von tiefer Melancholie zeugt.
OÖ Nachrichten – 27. Jänner 1998
BILDENDE KUNST: Harald Birklhuber in der Linzer Galerie Lehner Meisterschaft eines Spätberufenen von Irene Judmayer Eine Gasse in Nikosia. Blaue Schatten an Häuserwänden, Wäsche an durchhängenden Leinensträngen. Da und dort ein Leuchten, das direkt auf der Haut zu spüren ist. „Gasse“ – ein Ölgemälde des 37jährigen Kronstorfer Künstlers Harald Birklhuber – ist unbestritten der Höhepunkt seiner Ausstellung in der Linzer Galerie Lehner. Hier offenbart sich die Meisterschaft eines Spätberufenen, der erst nach seiner Tätigkeit als Schlosser in die Kunst wechselte. Schon im Vorjahr, bie der Präsentation der Malerei-Diplomanden der Kunsthochschule, stach seine Arbeit wohltuend aus dem Gezeigten hervor. Birklhubers Abeit ist eine gelungene Mischung aus Neo- Expressionistischem und dem atmosphärischem Charme des Impressionismus. Sein Spargel – Stillleben vermittelt beispielsweise sowohl saftiges Kulinarium als auch kompositorisch zwingenden Aufbau. Sein kraftvoller, am Gegenständlichen orientierter Duktus weist ihn – im besten Sinn – als Vertreter der Linzer „Kubovsky – Schule“ aus, die auch aus der Tradition etwa eines Boeckl schöpft. Birklhuber ist ein Meister des Lichts. Läßt es tanzen auf gelben, roten, blauen Gartenblumen, über Häuser, Gärten, Städten („Enns“), Innenhöfe, Landschaften. Ein inneres Glühen, das allerdings weniger von Lebensfreude als vielmehr von tiefer Melancholie zeugt.
OÖ Nachrichten – 23. Oktober 1998
Birklhuber Im Ennser „Gewölbe“ ab 23.10.: Harald Birklhubers kraftvoll – energetische Landschaften, exquisite Verbindungen von Handwerk und Ausdruck, von Können und Spüren.
OÖ Nachrichten – 17. Mai 2000
Harald Birklhuber „ Das Alltägliche ist es was mich fasziniert“, sagt der oberösterreichische Künstler Harald Birklhuber. Seine meist gegenständlcihen Darsellungen sind von diesem Gedanken geprägt. In den Bildern des spätberufenen Künstlers, der erst nach seiner Tätigkeit als Schlosser in die Kunst wechselte, spielt die Natur eine wichtige Rolle. Birklhuber ist Absolvent der Kunst – Uni Linz.